Andachten

Andacht

Andacht 02.08.2020

02. August 2020 | Daniel Wildemann

Andacht 02.08.2020

Bildnachweis: es.war.einmal.. / photocase.de

Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.

„Du sollst deinen Bruder nicht Idiot nennen!“, ermahnte mich meine Mutter immer, wenn es vorkam, dass ich mit ihm stritt und ihm entsprechende Worte an den Kopf warf. „Das steht schon in der Bibel.“ Ich habe gerade noch einmal nachgesehen und musste schon ein bisschen suchen, um das Wort zu finden. In einer Sonderausgabe der Bibelübersetzung Hoffnung für alle aus dem Jahr 1983 steht tatsächlich: „Wer zu seinem Bruder ‚Du Idiot!‘ sagt, der wird vom Obersten Gericht abgeurteilt werden.“ (Mt 5,22 Hfa) Das mit dem Obersten Gericht sagte meine Mutter zwar nicht dazu, geblieben ist mir allerdings der moralische Kompass, wenn mir das „I-Wort“ einmal entfahren sollte.
Was ist ein Idiot? Laut Duden ist es eine abwertende Bezeichnung für einen „Dummkopf“. Das altgriechische Wort idiotes bedeutete jedoch einmal völlig wertneutral Privatperson und bezeichnete Personen, die sich aus öffentlichen beziehungsweise politischen Angelegenheiten heraushielten. Erst im Lateinischen wurde später ein Schimpfwort daraus. Ein Idiot wäre demnach gewissermaßen ein Mensch, der sich in sich zurückzieht und nur sich kennt. Wer aber wäre dann nicht selbst manchmal einer?
Die Wahrheit ist, dass niemand so auf Dauer leben kann. „Niemand von uns lebt für sich selbst“ (Röm 14,7); es gibt immer noch eine andere Dimension, eine Beziehungsdimension. Es mag zwar für einen Moment befreiend wirken, andere zu „Idioten“ zu erklären, hinterlässt aber immer Macken. Auch bei mir selbst, in meinem Bild vom anderen und folglich meinem Umgang mit ihm. Das Beschimpfen kommt einem Beziehungsabbruch gleich und macht mich ironischerweise selbst zum „Privatmenschen“. Die eigentliche Krux der Bergpredigt aber ist, dass es darüber hinaus bei allem immer auch eine geistliche Ebene gibt. Auch hier. Es schadet letztlich meiner Beziehung zu Gott, wenn ich andere für dumm erkläre.
Gibt es Menschen, deren Verhalten ich manchmal nicht nachvollziehen kann? Mit Sicherheit. Sollte ich sie deswegen Dummköpfe nennen? Nein. Stecken wir unser Gegenüber nicht in eine Schublade, sondern bleiben wir mit ihm oder ihr verbunden. Und solltest du, mein Bruder, das hier lesen: Es tut mir leid! Lass uns mal wieder treffen.

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